Donnerstag, 25. September 2025

König Knollerich

 In seinem dunklen Königreich in bester deutscher Scholle lebte König Knollerich in feuchter Sattheit und mit sich selbst sehr zufrieden. Obwohl er von Augen übersät war, so war er doch im Grunde genommen blind für seine Umgebung.

 Er hatte einen Maulwurf zu seinem Minister ernannt, der das Reich gut kannte und so wunderliche Dinge von der Oberwelt zu erzählen wusste. Doch auch sein Blick war getrübt, sah er doch nicht wesentlich besser als sein König. Aber er hatte das goldene Licht der Sonne gesehen und kannte einen Reichtum an Farben, von dem er seinem König ausgiebig berichtet hatte.

 Seine kartoffelige Majestät wünschte sich heimlich schon lange sein düsteres Reich einmal zu verlassen und die Sonne zu sehen. Und würde es ihn auch Reich und Titel kosten! Doch ahnte er nicht, wie schnell sich sein Wunsch erfüllen würde und welcher Preis dafür tatsächlich zu zahlen war.

 Denn als die Zeit der Ernte kam, wurde er unerbittlich seiner Heimat entrissen. Doch selbst in seiner erschrockenen Empörung über diesen ruchlosen Akt genoss er das plötzliche Licht und die damit einhergehende Wärme auf seiner Dünnen Haut.

 Von der sollte er selbst dann noch zehren, als er mit all den anderen adeligen Knollen in einem kühlen und dunklen Keller zog. Dort endete seine Regentschaft als seine höchst ehrenvolle Kartoffeligkeit König Knollerich vom Westacker. Sein Leben jedoch endete erst viele Monate später als Portion ölfrittierter Sättigungsbeilage in Begleitung einer würzigen Currywurst.

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