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Dienstag, 15. Juli 2014

Das Buch von Mantigoé (Arbeitstitel: Neue Welt) Töchter der Nacht

Sie trafen sich auf einer kleinen Lichtung im Wald. Ein kreisrunder Platz, nur mit niedrigem Gras und Moos bewachsen. Sanft fiel das Mondlicht auf das satte Grün des weichen Bodens. Nur das düstere Dickicht der umstehenden Bäume konnte auch der Mond nicht erhellen.

 Als sie die Lichtung unter dem wolkenlosen Sternenhimmel betraten, verstummte das leise Rascheln der Blätter. Aus dem Wald traten andere wie sie. Frauen jeden Alters, doch alle mit dem unwiderstehlichen Drang diesen Platz aufzusuchen. Wortlos bildeten sie einen Kreis.

Nyra schloss die Augen und es war als ob die Stille zu ihr spräche. UngehörteWorte, die sich in ihrem Kopf formten. Wie in Trance sprach sie die Worte mit. Erst still, nur mit den Lippen, dann immer lauter. Und ihre Schwestern taten es ihr gleich...

        "Wir sind die Töchter der Nacht, die Kinder des Mondes, nur er gibt uns Kraft."

Wie ein magsiches Mantra wiederholten sich die Worte immer wieder. Nyra fühlte sich eins mit den anderen, fühlte sich in die Luft gehoben, leicht und zugleich völlig geborgen und sicher. Sie war Teil eines Ganzen. Eine Erkenntnis, die sie zutiefst erschütterte und gleichzeitg unendlich glücklich machte.

Sie spürte das feuchte warme Gras unter ihren Füßen, öffnete die Augen und sah, dass die Bäume am Rande der Lichtung mit Ihren Stämmen und Ästen Säulen und Bögen bildeten, eine Kathedrale aus Holz und Laub.

Ihre Schwestern richteten ihre erstaunten Blicke genauso zum Himmel, wie Nyra es tat. Ein sanfter, warmer Strahl reinen Mondlichtes erhellte den Tempel und ließ ihre Gesichter aufleuchten. Nyra fühlte eine neue, unbekannte Kraft in sich und begriff, was es bedeutete, eine Tochter der Nacht zu sein.

Sie würde nie wieder schutz- und hilflos sein!

Das Buch von Mantigoé (Arbeitstitel: Neue Welt)

...aber wirklich unbemerkt hatte er die Stadt doch nicht verlassen. Nur hätte er in dem Rabenpaar, das seinem schaukelnden Wagen folgte, nicht die Augen des Feindes erwartet.. Und er hätte auch nicht im Traum daran gedacht, dass es die Tiere des Waldes waren, die seinen Weg durch den Trauerforst überwachten. Doch waren die Raben die Boten des Bösen, so waren die Tiere des Waldes die Armee des Guten. Solange sie ihn im Auge behielten würde ihm nichts geschehen. 

Der Trauerforst hatte seinen Namen nicht von ungefähr. Er war einer der dunkelsten und ursprünglichsten Wälder des Landes, voller Magie und unheimlicher Wesen. So mancher Wanderer, der hier vom Weg abkam, kehrte nie aus dem Wald ans Tageslicht zurück.

Maritt fiel die Dunkelheit nicht weiter auf, denn in seinem Herzen war genug Licht und Freude, das Buch aus der Stadt geschafft zu haben. Auf seinem Weg zum roten Turm würde ihn nichts mehr aufhalten, da war er sich sicher. Doch in Wahrheit lauerten tausend Augenpaare im Dunkel, die alle die Anwesenheit der Magie spürten, die das Buch ausstrahlte. Eine große Gefahr, wären nicht die Tiere des Waldes gewesen, die diese Wesen im Zaum hielten. Vielleicht war es besser, dass Maritt nichts von der Bedrohung hinter den dichten Bäumen wusste. So verlässlich er war, so einfach war sein Gemüt und sein Aberglaube war groß.

Der rote Turm erhob sich am Horrizont bereits aus den Bäumen, sein Ziel vor Augen trieb er die Pferde an.



Kapitel 2

Und es gab noch jemanden, der wusste, dass das Buch auf einer neuen Reise war. Selbst mit dem besten Pferd wäre ein Reiter in frühestens 5 Tagen an dem Ort angekommen, wo die Bewegung des Buches aus seiner sicheren Umgebung heraus bemerkt worden war.

Und alles nur, weil ein Tropfen kostbaren Blutes in das Tintenfässchen getropft war, mit die alten Magier das Buch geschrieben hatten. Die Bindung war eng genug, um den Weg des Buches überall hin verfolgen zu können, ja selbst eng genug, um zu spüren, wer das Buch gerade in seinen Händen hielt, wessen Finger die Zeilen markierten, auf denen die Augen dessen ruhten, der in den alten Sprüchen zu lesen verstand.

Und was Malina bisher vor ihrem geistigen Auge gesehen hatte, brachte sie nicht aus der Ruhe. Das Buch war nicht mehr in Sicherheit, doch auch nicht in Gefahr. Und in ihrem Alter regte man sich nicht mehr gleich auf, wenn etwas nicht so lief, wie es vorhergesehen war. Zumal sie die einzige zurückgebliebene war. Ein letzter Wächter zum Leben in einem Versteck verdammt, da die Menschen sie töten würden.

Warum sich meine Geschichten vrselbständigen...

Ich habe ein großes Problem bei meinen Geschichten. Immer wenn ich eine neue Figur erschaffe - und sei es auch nur eine Randfigur - dann habe ich dazu nicht nur das Aussehen im Kopf, sondern den passenden Charakter, ein Verhaltensmuster... meist sogar eine ganze Geschichte... einen Lebenslauf.

So geht es mir gerade wieder mit meiner Geschichte über das Buch von Mantigoé. Da habe ich einen neuen Charakter eingebaut. Und prompt hat sich das ganze verselbständigt und ich habe statt der Fortsetzung zu der Ursprungsgeschichte eine eigenständige Geschichte zu der Person und ihrer Verstrickung mit dem magischen Buch angefangen... und leider ist das alles viel zu groß, um "nur" ein Kapitel des Ursprungstextes zu werden, es ist tatsächlich eine eigene Geschichte...

Ich bin nur froh, dass nicht nur mir so etwas passiert. Im Grunde genommen ist es bei mir so, als würde ich an meinem "Der Hobbit" arbeiten, obwohl es doch ein Teil von "Der Herr der Ringe" sein sollte. Ich habe also neben der Geschichte, die ich eigentlich begonnen habe, eine Art Vorgeschichte geschrieben. Leider bedeutet das aber auch, dass ich mit meiner Hauptgeschichte nicht wirklich weiterkommen werde in nächster Zeit. Viel schlimmer noch... es sind in dieser Vorgeschichte neue Figuren aufgetaucht, von denen einige wieder eine eigene Geschichte zu erzählen hätten.

Aber kann man seiner Kreativität denn Zügel anlegen? Hört man nicht auf, kreativ zu sein, wenn man diese Nebengeschichten einfach weglässt??? Ich hab nämlich versucht, das zu tun... diese Figuren zu benutzen, ohne mich näher mit ihnen zu beschäftigen... es funktioniert nicht. Es liest sich einfach falsch... man glaubt die Handlung nicht mehr, alles wirkt kalt, gestellt und unglaubwürdig... die Figuren sind auf einmal in ihrer Handlungsweise nicht mehr stimmig.

Ich zeichne zu jedem Ort in meinen Büchern Skizzen, baue die Häuser, Plätze, Landschaften, virtuell oder aus Pappe... Ich brauche das, um mich zu vergewissern, dass etwas, was ich schreibe auch tatsächlich so funktionieren würde. Es gibt das Torhaus aus der Geschichte von Mantigoé, es gibt den roten Turm, es gibt den stillen Waldtempel... all das habe ich schon gebaut und beschrieben...

Das Buch von Mantigoé (Arbeitstitel: Neue Welt)

Prolog

Zitternd stand er am Abgrund. Seine Augen starr auf den Horizont gerichtet, damit er die Tiefe vor sich nicht sah. Ein eisiger Wind blies ihm ins Gesicht, doch er war so von seinen Gedanken gefesselt, dass er nicht einmal mehr fror. Er stand an der Schwelle einer neuen Welt, an einem Übergang, den er nur wagen musste. Nur ein Schritt weiter. Und dann? Was erwartete ihn auf der anderen Seite? Würde dort sein Schicksal auf ihn warten?
So war es ihm schließlich prophezeit worden.
Sein Brustkorb hob und senkte sich mit jedem Atemzug. Tief. Kalt. Erfrischend. Dann schloss er die Augen und verbannte alle Gedanken an die Welt die er hinter sich lassen würde. Er sprang.

Kapitel 1: Das Buch von Mantigoé

Wann immer sich Maritt an den Gegenstand erinnerte, der unter dem doppelten Boden seines Fuhrwerkes versteckt war, sah er seinen Hals schon in der Schlinge stecken. Bücher waren verboten. Und dieses Buch hatte die Kraft, die ganze Welt, die er kannte, in einen Abgrund zu stürzen, wenn es in falsche Hände geriet. Sollte man ihn damit erwischen, war das sein Todesurteil und das der meisten anderen vom Volk der Perawor.
Er hatte das Stadttor schon fast erreicht. Normalerweise wurden die Bauern auf dem Weg zurück in ihre Dörfer nicht sonderlich gut kontrolliert, doch bei seinem Glück würde er an einen besonders gründlichen Wachposten geraten. Maritt wurde nervös, und er wusste, dass es genau das war, was die Wache erst auf ihn aufmerksam machen könnte. Er bemühte sich, nicht an das Buch zu denken, doch es kam ihm so vor, als würde nicht der schmale ledergebundene Band aus der Feder der alten Magier im Geheimfach hinter seinem Rücken liegen, sondern das Tor zur Hölle. Er meinte sogar, die Hitze der Schwefelfeuer zu spüren und begann zu allem Unheil auch noch zu schwitzen.
Und tatsächlich stellte sich ihm einer der bewaffneten Wächter in den Weg. Sofort hielt Maritt sein Pferd an und betete inständig, dass sie nicht auch noch seinen Wagen durchsuchen würden.
„Was habt ihr auf dem Wagen, Bauer?“
„Nichts. Nur die Reste vom Gemüse für den Markt.“
„Nicht alles verkauft?“
„Nein.“
„Lasst mal sehen!“
Noch bevor Maritt etwas dagegen tun konnte, hatte der Soldat mit seinem Speer die Plane angehoben und begutachtete, was auf der Ladefläche zu finden war. In diesem Moment war er dem pedantischen Sortas dankbar dafür, dass er darauf bestanden hatte, die Tarnung so perfekt wie möglich zu gestalten.
„Den Kohl nehm ich für die Turmküche, Bauer.“
„Nehmt nur, nehmt! Was soll ich denn mit soviel Kohl alleine anfangen.“
Er sah zu, wie drei der leicht angeschlagenen Kohlköpfe durch die Luft flogen und war erleichtert, als er danach durch das Tor gewunken wurde. Froh die Stadt endlich hinter sich lassen zu können, pfiff er ein Liedchen vor sich hin. Seine Tarnung als Bauer war gut genug gewesen, die Torwache zu täuschen, aber... [Fortsetzung folgt]