Montag, 4. April 2016

Zwischen den Welten - ein etwas anderer Krimi

Dass es mich nicht mehr gibt, ahnen einige wohl, aber nur einer weiß, dass ich tatsächlich bereits tot bin. Kein Mahnmal weist auf mich hin, kein Kreuz, kein Stein. Nichts, was noch an mich erinnern würde. Aber ich habe noch etwas zu tun, bevor ich diese Welt endgültig hinter mir lasse. Ihr könnt mich Charon nennen.

Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als ihr euch in euren kühnsten Träumen vorstellen könnt. Glaubt mir, ich muss es wissen, denn ich bin genau hier, in der Mitte. Im Nirgendwo. Oder irgendwo dazwischen. Ich bin hier nicht alleine. Davon gehe ich zumindest aus, denn es muss auch andere geben, die sich noch nicht zu ihrer nächsten Station aufgemacht haben.

Nur kann ich sie nicht sehen. So wie ihr auch mich nicht sehen könnt. Aber ich bin da. Ich wandere durch eure Straßen, begleite euch auf eurem Weg ein Stück und denke über das Leben nach, dass ich hätte haben können. Und nach einer Weile begann ich darüber nachzudenken, warum ich mein Leben verloren habe.

Nun, ich habe es nicht wirklich verloren. Es ist mir nicht einfach so abhanden gekommen. Ich hab es nicht irgendwo liegen lassen und vergessen. Wenn man tot ist, dann versteht man endlich den Witz hinter all den Formulierungen, die man als Mensch so sein Leben lang für den Tod gehört, gelesen und benutzt hat. Das Leben verlieren. Aus dem Leben scheiden. Als würde man sich dafür einen Anwalt genommen haben um sich in einer ordentlichen Schlammschlacht mit dem Tod das bestmögliche Ergebnis zu sichern.

Ich glaube, das liegt an der Angst der Lebenden vor der Tatsache, dass sie nicht wissen, was danach mit ihnen geschieht. Ich kann euch sagen, dass ihr keine Angst haben müsst. Der Tod ist ziemlich unspektakulär. Ein bisschen so wie morgens in einem fremden Bett wach werden und nicht wissen, wie man dort gelandet ist, oder was in der Nacht zuvor wirklich passiert ist. Ohne die unangenehmen Kopfschmerzen und diesen ekligen Geschmack auf der Zunge. Aber ansonsten kommt das der Sache schon ziemlich nahe.

Und genau wie nach einem ordentlichen Kater, setzt auch nach dem Tod die Erinnerung nur stückweise wieder ein. Im Falle meines Todes war ich ganz dankbar, dass ich die Wahrheit nur in kleinen, gut verdaulichen Häppchen serviert bekam. Ich wurde brutal ermordet. Eine wahre Blutorgie. Da war es besser, dass ich das Gesamtbild aus vielen Puzzleteilen zusammensetzen musste. Und genau darum bin ich noch hier. Ich habe noch etwas zu erledigen. Aber das erwähnte ich ja bereits.

Und jetzt muss ich mich endlich mal darum kümmern, dass jemand meinen Körper findet. Der gammelt jetzt schon fast eine Woche hier herum und das geht ja mal gar nicht. Sieht reichlich bescheiden aus, was da so von mir übrig geblieben ist. Eigentlich kann man sich so nirgendwo blicken lassen, aber damit muss ich wohl leben... also, ich meinte klarkommen. Als Toter hat man es nun wirklich nicht leicht mit den Formulierungen! Jetzt muss ich erst einmal jemanden finden, der mich hier entdeckt.

Kommissar Peter Zufall stieg aus dem Wagen und verließ den Parkplatz in Richtung Kanal. Ein kurzer Blick durch das Blätterdach des Stadtwaldes zeigte ihm, dass sich ein Unwetter zusammenbraute. Er bückte sich unter dem Absperrband hindurch und sah seine Kollegen schon ein Stück weiter bei der Arbeit. Seine Aufmerksamkeit galt zu aller erst dem Chef der Forensik.
„Morgen Dirk, kannst du schon was zur Todesursache sagen?“
„Moin Pitt, mehrere Stichwunden. Drei davon tödlich.“
„Ein Mord am Freitag und schon ist das ganze Wochenende hinüber! Wer hat ihn gefunden?“
Dirk Brünn wies auf einen Sportler, der auf einer Parkbank am Rande des Weges saß und darauf
wartete, endlich vernommen zu werden. Er sah reichlich mitgenommen aus.
„Sie haben die Leiche entdeckt?“
„Ja, ich fuhr hier mit dem Rad und bin irgendwie in einem Ast hängen geblieben und gestürzt. Hinter dem Gebüsch hab ich dann den Körper entdeckt.“
„Die Leiche liegt noch so, wie sie sie gefunden haben?“
„Ja. Ich hab sofort den Notruf gewählt.“
„Ihr Wochenende dürfte wohl auch nicht ganz so verlaufen, wie gedacht. Sollten sie Hilfe brauchen, kann ich ihnen einen Seelsorger oder eine psychologische Betreuung anbieten.“
„Danke.“

Der Kommissar verwies ihn an einen der Polizeibeamten und sah sich den Tatort noch einmal genauer an. Irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass er beobachtet wurde. Aber außer den Kollegen war niemand zu sehen. Gerade wurde die Leiche in einen Sack gepackt und für den Transport in die KTU in einen Leichenwagen verfrachtet. Dirk Brünn sammelte mit zwei weiteren Forensikern noch einige Beweisstücke ein, da grollte der erste ferne Donner. Der Ermittler machte sich auf zum Präsidium, um sich die Vermisstenfälle anzusehen. Bei der Leiche waren keinerlei persönliche Gegenstände gefunden worden. Auch kein Ausweis.

Ich hatte ganz schön Probleme, jemanden auf meine Überreste stoßen zu lassen. Der Fahrradfahrer war der dritte, dem ich einen Stock zwischen die Speichen geschleudert habe. Dass er dabei allerdings direkt auf mir landen würde, also auf meinem Körper, nicht auf mir, das war nicht beabsichtigt. Ich habe ein paar Tage gebraucht, bis mir klar wurde, dass ich unbelebte Gegenstände bewegen kann. Da hätte ich ruhig ein bisschen früher drauf kommen können, immerhin stamme ich aus der Generation, die Poltergeist im Kino gesehen hat. Den Körper eines anderen Menschen zu besetzen, ist mir bisher noch nicht gelungen.

Wäre ziemlich praktisch, wenn jemand von mir besessen wäre. Wobei ich vielleicht noch nicht lange genug tot bin, um das wirklich zu wollen. Immerhin hätte ich während meiner Phase der Lebendigkeit auch nicht gerne einen fremden Geist in mir gehabt. Selbst jetzt als Toter ist mir dieser Gedanke noch ein bisschen unangenehm. Wahrscheinlich habe ich mich daher auch nicht wirklich angestrengt, bei meinen Versuchen, in einen Jogger zu fahren und ihn über meine Leiche stolpern zu lassen. Die Idee mit dem Ast war aber definitiv die zweitbeste Idee, die mir in dem kleinen Wäldchen gekommen ist. Zumindest kam sie zum gleichen Ergebnis.

Natürlich habe ich mich sofort an Kommissar Zufalls Fersen gehängt. Ich hoffe, dass er besser ermittelt, als es sein Name vermuten lässt. Auf der Fahrt zum Präsidium war ich jedenfalls zum ersten Mal froh, schon tot zu sein. Bei dem Fahrstil hätte ich sonst um mein Leben gefürchtet.

Leicht mürrisch holte sich Peter Zufall eine Tasse Kaffee, die wahrscheinlich seit dem frühen Morgen auf der Warmhalteplatte stand und stark und bitter schmecken würde. Aber genau das brauchte er jetzt. Er hatte eindeutig zu wenig geschlafen und dass ihm diese unbekannte Leiche jetzt auch noch sein erstes freies Wochenende seit Monaten zunichte machen würde, war auch keine besonders belebende Aussicht. Mit finsterer Miene ließ er sich auf seinen Schreibtischstuhl fallen und schaltete den Rechner ein.

Der Kaffee hatte etwas von Teer auf seiner Zunge und er war viel zu heiß. Er ignorierte den Schmerz in der Zungenspitze und trank schon aus Trotz sofort noch einen Schluck. Es dauerte ihm schon wieder viel zu lange, bis er nach Vermissten in den Unterlagen seiner Behörde suchen konnte. Er gab die groben Einschätzungen seines Forensikers in die Suchmaske ein und wartete auf ein Ergebnis.

So wird er mich nie finden. Mein Verschwinden hat doch sicher niemand gemeldet. Solange die Miete immer pünktlich auf dem Konto meines Vermieters war, würde der nie auf die Idee kommen, dass mit mir etwas nicht stimmen könnte und das war noch für einige Monate sichergestellt. Und sonst gab es niemanden, der nach mir hätte suchen wollen. Ich gehe mal davon aus, dass die Inhaberin des Kiosks an der Ecke nicht unbedingt die Polizei rufen würde, wenn ich jetzt nicht mehr einmal in der Woche meine Zeitschrift bei ihr kaufte.

Gleiches galt wohl auch für den türkischen Lebensmittelmarkt in der Straße oder auch für die Nachbarn, von denen ich eigentlich außer ihren Lärm generierenden Sexualpraktiken und dem Vornamen des Mannes nicht viel wusste. Dass er Martin hieß, wusste ich nur deshalb, weil seine Frau ihn kurz vor dem Höhepunkt ihrer Bettgymnastik jedes Mal unüberhörbar für die gesamte Nachbarschaft in den Raum schrie.

Während der Computer vor sich hin ratterte, beschloss Peter Zufall, noch einmal in der Pathologie vorbei zu schauen und zu sehen, ob sein Kollege inzwischen ein paar neue Informationen für ihn hatte. Auf dem Flur lief er seinem Chef über den Weg und schaffte es tatsächlich, sich nur mit einem kurzen Nicken an ihm vorbei ins Treppenhaus zu schieben. Auf ein bisschen Smalltalk mit seinem Vorgesetzten konnte er nun wirklich verzichten.

Dirk Brünn wollte sich gerade über die Leiche hermachen, die vor ihm auf dem Tisch lag. Er sah nur kurz auf und setzte in dem Wissen, seinen Freund damit nicht mehr schockieren zu können, das Skalpell an.
„Du kommst sicher, um mir ein bisschen Druck zu machen, aber noch kann ich dir nichts sagen. Lass mich meine Arbeit hier tun, dann bekommst du auch Ergebnisse.“
Der Sarkasmuss troff geradezu von seinen Lippen.
„Kein Eile, Dirk, ich hatte am Wochenende eh nichts vor.“
„Es war auf jeden Fall Mord. Mehrere Blutergüsse, Abschürfungen, Spuren von Fesselung und Würgemale am Hals. Tödlich dürften aber die drei Stiche sein, die unmittelbar ins Herz gingen. Ach ja, und der Fundort ist sicher nicht der Tatort. Zu wenig Blut im Wald.“
„Du hast ja doch schon was getan.“
Der Forensiker sah ihm empört in sein grinsendes Gesicht und schüttelte resignierend den Kopf. Die beiden arbeiteten seit mehr als 20 Jahren zusammen und waren mehr als nur Kollegen.
„Mach, dass du hier raus kommst, ich hab ein scharfes Messer in der Hand!“
Beide lachten, dann machte sich Kommissar Zufall wieder auf in sein Büro.

Es war ein bisschen gruselig, dem Forensiker dabei zuzusehen, wie er meinen leicht gammeligen Leichnam so ganz ohne jede Regung aufschnitt. Irgendwie war mir das unangenehm und so schaute ich mich ein bisschen in seine Refugium um. Ich war wohl nicht der einzige Tote, der ihm in dieser Woche unter das Messer gekommen war. Hemmungslos nutzte ich meine kürzlich neu erlangte Fähigkeit einfach durch Wände und Türen gehen zu können. Tot zu sein hat durchaus seine Vorteile. Ich bin mir nicht sicher, ob ich einfach so schweben kann, also nahm ich dann sicherheitshalber doch die Treppe, um wieder nach meinem Ermittler zu sehen.

Nur, wie ich ihn auf die richtige Spur bringen konnte, hatte ich noch nicht wirklich herausgefunden. Dabei hätte es ihm sicher geholfen, meinen Namen zu kennen. Oder zu wissen wo ich wohne. Vielleicht würde es ihm auch helfen, wenn ich ihn an den Ort bringen würde, an dem ich ermordet wurde.

Die Suche hatte keinen Treffer ergeben. Frustriert starrte der Polizist auf den Bildschirm. Keinerlei Anhaltspunkte. Er wusste nicht mal, ob das Ergebnis aus der Pathologie ihn wirklich weiter bringen würde. Und vor Morgen früh würde er das sicher nicht auf dem Schreibtisch haben. An solchen Tagen hasste er seinen Job. Erschrocken hob er den Kopf, als die Türe zu seinem Büro aufging. Aber niemand betrat den Raum. Als er aufgestanden war und aus dem Rahmen der Türe einen Blick in den Flur warf, war auch dieser leer. Verwirrt schloss er die Türe und machte sich daran, einen Bericht zu schreiben, in dem er alle bisherigen Erkenntnisse, so wenig es am Ende dann auch waren, zusammenfasste. Dabei fühlte er sich wieder irgendwie beobachtet. Das Gefühl hatte er auch im Wald und auf der Fahrt ins Präsidium schon gehabt.

Wenn man es gewöhnt war, immer Türen zu benutzen, fällt es einem wirklich verdammt schwer, sie geschlossen zu lassen, nur weil man sich neuerdings einfach so hindurch bewegen kann. Ich habe mich noch nicht so recht dran gewöhnt, aber das wird sicher noch. Einen Augenblick dachte ich, Kommissar Zufalle könne mich sehen. Da er nur Sekunden später einfach durch mich hindurch lief, als er in den Flur sehen wollte, war ich wieder beruhigt. Ist ein komisches Gefühl, wenn man durch einen Lebenden hindurch läuft, oder eben umgekehrt. Es kitzelt ein bisschen.

Natürlich hat der Computer nichts brauchbares ausgespuckt, also werde ich mir etwas einfallen lassen, um meinen grummeligen Kommissar auf die richtige Fährte zu setzen. Angesichts der stark eingeschränkten Mittel die mir zur Verfügung stehen, dürfte das nicht ganz einfach sein. Mal überlegen. Wie bekomme ich ihn in den Hafen?

Da er eh nichts mehr machen konnte, bis er ein paar neue Ansätze bekam, entschloss sich der Kommissar, etwas früher in den Feierabend zu gehen und den Schlaf der letzten Nacht nachzuholen. Er zog sich seine Jacke über und schlich sich aus dem Präsidium zu seinem Wagen. Er hatte mehr Überstunden als alle anderen hier und das Schleichen hatte nichts mit einem schlechten Gewissen zu tun. Er hatte nur keine Lust, seinem Chef über den Weg zu laufen. Der würde ihn nur wieder nach einem neuen Partner fragen und den wollte er eigentlich lieber gar nicht mehr haben.

Es waren nur noch 3 Jahre bis zu seinem Ruhestand und in denen wollte er sich nicht noch einmal an die Marotten eines neuen Partners gewöhnen müssen. Er hatte schon genug eigene, die reichten allemal. Natürlich galt er im Präsidium als der einsame Wolf, aber dass machte ihm nicht aus. An den meisten Tagen fühlte er sich eher geschmeichelt,wenn er so genannt wurde. Auf dem Weg zu seiner Wohnung hielt er am Drive-In eines Schnellrestaurants und gönnte sich einen Burger, Pommes und eine Cola. So sparte er sich wenigstens das Kochen.

Er warf die Papiertüte mit seinem Abendmahl auf den Beifahrersitz und nestelte während der Fahrt bereits nach dem darin liegenden Hamburger. Nach dem ersten Biss in das pappige Brötchen mit der lauwarmen Hackfleischplatte fühlte er sich schon ein bisschen besser und grunzte zufrieden. Für die Cola hatte er keine Hand frei, die würde genau wie die Pommes noch bis zu seiner Ankunft in seiner kleinen privaten Höhle warten müssen.

Ich war erschrocken auf dem Sitz zusammengezuckt, als er die Tüte mit seinem Abendbrot auf meinen Schoß warf. Erst als die Papiertüte widerstandslos durch meine Oberschenkel sackte, fiel mir wieder ein, dass ich tot war. Ein bisschen unangenehm war es, als er nach dem Hamburger suchte. Wäre ich noch am Leben gewesen, hätte seine Hand sich an einer recht pikanten Stelle zu schaffen gemacht. Ich musste grinsen, als ich darüber nachdachte und beinahe hätte ich laut aufgelacht.

Er kaute zufrieden an seinem Burger und wir fuhren immer weiter in die Außenbezirke. Das Wohnumfeld wurde immer schlechter. Scheinbar sind Kommissare hoffnungslos unterbezahlt und müssen in den übelsten Gegenden der Stadt siedeln. Vielleicht war es auch nur so eine Art Nähe zu seiner üblichen Klientel, die ihn gerade hier direkt hinter dem Rotlichtviertel wohnen ließ. Auf jeden Fall hielt er vor einem ziemlich heruntergekommenen Haus in einer Sackgasse.

Ich musste mich richtig anstrengen, mit ihm Schritt zu halten und huschte gerade noch so durch die Türe, bevor sie ins Schloss fiel. Seine Wohnung war ähnlich trostlos wie seine Nachbarschaft. Nur das allernötigste, keinerlei Luxus. Die typische Wohnung eines verschrobenen Junggesellen. Wenn ich nicht wüsste, dass er Polizist ist, könnte ich auch denken, ich befinde mich in der Wohnung eines psychopathischen Massenmörders.

Zumindest erweckte der reichlich unaufgeräumte Schreibtisch im Wohnzimmer den Eindruck. Die Wand dahinter war mit Tatortfotos und Zeitungsberichten tapeziert. Damit werde ich mich später beschäftigen. Immerhin braucht man als Toter keinen Schlaf und damit habe ich die Nacht über genug zu tun. Ich sah mich weiter in der Wohnung um. Die Küche ist nur eine kleine Kochnische und in der Spüle stapelt sich das Geschirr von mindestens 3 Tagen.

Das Schlafzimmer besteht nur aus einem schmalen Bett und einem alten Kleiderschrank, der scheinbar nur noch vom Lack zusammengehalten wird. Die ganze Wohnung hatte den Charme einer Gefängniszelle. Auf dem Wohnzimmerschrank stand ein vergilbtes Familienfoto aus besseren Tagen. Zumindest weiß ich jetzt, dass mein Kommissar nicht immer allein war. Und mir wird langsam klar, warum er so spartanisch wohnt. Und ich ahne auch, woran diese Beziehung zerbrochen ist.

Er ließ sich auf sein Sofa fallen, griff nach der Fernbedienung und schaltete einmal durch alle Kanäle auf der Suche nach ein bisschen Zerstreuung. Der Burger war auf der Fahrt schon fast verschlungen, also griff er sich die Pommes aus der Tüte und schlürfte lautstark an seiner Cola. Hier musste er auf niemanden Rücksicht nehmen. Er wohnte schon seit Jahren alleine und hatte auch nicht vor, daran noch etwas zu ändern.

Seine Frau hatte eines Tages die Koffer gepackt und das Haus am Stadtrand, dass sie kurz nach der Hochzeit gekauft hatten, fluchtartig verlassen. Seine Kinder waren damals längst zuhause ausgezogen und so blieb er alleine in einem viel zu großen Haus, in dem er sich nie wirklich heimisch gefühlt hatte. Die Scheidung verlief reibungslos und er entschloss sich, das Haus zu verkaufen, um damit einen Teil des Unterhaltes für seine Frau zu stemmen. Die Wohnung in der er jetzt lebte, war eigentlich nur eine Notlösung, weil die Interessenten für sein Vorstadthäuschen schneller gefunden waren, als er sich das gedacht hatte.

Er lebte jetzt seit mehr als 10 Jahren hier und hatte sich mit der Situation arrangiert. Spätestens nach dem tragischen Tod seines langjährigen Partners Sven Meyer hatte er alle Energie verloren, an seinem Leben noch etwas zu ändern. Mit seiner Frau hatte er seit der Scheidung kein Wort mehr gesprochen. Seine Tochter hatte ins Ausland geheiratet und lebte jetzt mit ihrem Mann und dem Enkel in Toronto. Sein Sohn hatte sich auf die Seite seiner Frau geschlagen und den Vater vom Tag der Scheidung an einfach aus seinem Leben gestrichen.

So war er auf seine alten Tage noch einer der Top-Ermittler der Polizeidirektion Nord geworden. Er lebte einzig noch für seinen Job und da er nichts anderes mehr hatte, für das er seine Zeit und Energie opfern konnte, wurde er ziemlich gut darin, Verbrecher zur Strecke zu bringen. Der einzige Mensch, den er wirklich an sich heran gelassen hatte, war sein Partner Sven. Als dieser bei einem Einsatz erschossen wurde, hatte ihn das tiefer getroffen als die Scheidung von seiner Familie. Und das war auch einer der Gründe, sich einem neuen Partner zu verweigern. Noch einmal alles umwerfen, neu anfangen, sich arrangieren, das alles wollte er nicht mehr.

Er sammelte die Reste seines Essens ein, schaltete frustriert den Fernseher aus und warf auf dem Weg ins Bad die Verpackungen in den Mülleimer. Er freute sich auf eine ausgiebige, heiße Dusche und würde danach in sein Bett verschwinden. Er drehte das Wasser auf und begann sich auszuziehen. Sein Telefon und Handy hatte er vorsorglich ausgeschaltet. Heute Abend wollte er nicht mehr gestört werden.

Ich beugte mich über den Schreibtisch. Im Hintergrund hörte ich das Geräusch des Fernsehers, einzelne Wortbrocken, Musik, Werbejingles. Wenn ich mich nur hinsetzen könnte, aber den Stuhl bewegen wollte ich nicht, so lange er noch im Raum war. Mir wurde schnell klar, dass diese ganzen Fotos, Zeitungsausschnitte und Ausdrucke von Fahndungsdateien etwas ganz persönlich mit meinem Kommissar zu tun haben mussten. Aber ich brauchte eine Weile, um aus den einzelnen Teilen das große Ganze zu extrahieren.

Sehr hilfreich war einer der Artikel. „Ermittler der Kripo stirbt bei Einsatz im Hafengebiet.“ Das war also der Partner meines Kommissars gewesen. Ein guter Freund, wie ich annahm und ein unerledigtes Kapitel in seinem Leben. Ganz offensichtlich hatte man den Schützen nicht festnehmen können. Eine halbe Stunde später wusste ich, dass man ihn nicht einmal eindeutig identifiziert hatte. Wenn er das nicht bald lösen würde, könnte Peter Zufall bald ziemlich genau in der gleichen Lage sein wie ich es gerade bin. Man kann nicht loslassen, wenn man etwas unerledigtes in dieser Welt zurücklassen würde. Wenn er meinen Tod aufklärte, würde ich ihm helfen, seine ungelösten Probleme zu beseitigen.

Ich schaute kurz auf, als ich die Badezimmertüre hörte. Vor sich hin summend und leider auch vollkommen unbekleidet wanderte Kommissar Zufall an mir vorbei in Richtung Schlafzimmer. Manche Details über meinen Schützling hätte ich wirklich nicht kennen müssen. Aber sein mangelndes Feingefühl will ich ihm mal nicht ankreiden, immerhin glaubt er noch immer, alleine hier zu sein. Wenn ihr also gerne nackt durch eure Wohnung lauft, denkt an uns arme Tote. Das würde uns viel Elend ersparen.

Nach der Dusche ging es ihm schon wieder viel besser. Jetzt noch ein bisschen Schlaf und er würde den Samstag Morgen mit einer ganzen Menge mehr Elan angehen könnte, als er das am heutigen Morgen nach durchzechter Nacht getan hatte. Er hatte auch heute kurz überlegt, noch auf ein oder zwei Bier in die Kneipe an der Ecke zu gehen, aber da wartete ein unbekanntes Mordopfer auf ihn und dafür würde er seine ganze Kraft und Aufmerksamkeit brauchen. Immerhin war er keine 20 mehr und hatte schon von einem leichten Kater deutlich länger als früher.

Sein Blick fiel auf den Schreibtisch und er hatte das Gefühl, als lägen die Unterlagen nicht mehr so, wie er sie hinterlassen hatte. Beunruhigt schaute er sich genauer um, überprüfte die Türe und alle Fenster, stellte aber beruhigt fest, dass sie alle verschlossen waren und auch keine Einbruchsspuren aufwiesen. Wahrscheinlich hatte der ganz in Gedanken selbst in seinen Unterlagen gestöbert. Einen Augenblick dachte er daran, die Sachen wieder zu Ordnen, aber heute wollte er sich nicht mit dem beschäftigen, was seinem Partner Sven Meyer geschehen war. Das musste warten. Sein aktueller Fall ging vor.

Er löschte das Licht und schloss die Schlafzimmertüre hinter sich. Das Bett wartete schon auf ihn und es dauerte nur wenige Minuten, bis er sanft ins Traumland glitt. Er fiel in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

Statt weiter in seinen Unterlagen zu stöbern, blieb mir nichts anderes übrig, als mir die Umgebung mal etwas genauer anzusehen. Denn auch wenn man tot ist, funktioniert das mit dem Lesen im Dunkeln nicht und das Licht einfach wieder einzuschalten hielt ich für ein bisschen zu offensichtlich. Immerhin war ihm schon aufgefallen, dass ich einige der Unterlagen verschoben hatte. Er war sehr aufmerksam, scheinbar hatte ich Glück, dass ich auf dem Schreibtisch eines alten Hasen wie Herrn Zufall gelandet war.

Und ich war ganz froh, dass es nicht sein privater Schreibtisch war, denn alles in allem war das schon ein bisschen beängstigend mit einem Hang zur Besessenheit. Aber auch das mochte seine Vorteile haben, wenn es darum ging, sich auf die Fährte meines Mörders zu begeben.

Das Viertel in dem die Wohnung lag, hätte ich als lebender Mensch nach Einbruch der Dunkelheit wohl eher gemieden. An der nächsten Straßenecke kann man schon die ersten Damen des horizontalen Gewerbes ihrem Job nachgehen sehen und auch der Rest der Gegend macht eher den Eindruck eines kriminellen Krisenherdes. Direkt vor meinen Augen wechselten ein paar kleinere Drogenpäckchen den Besitzer und bei dem, was in einem der kleinen Ramschläden auf der Hauptstraße angeboten wurde, handelte es sich mit Sicherheit um Hehlerware.

Wirklich eigenartig, dass es einen Polizisten ausgerechnet in diese Gegend verschlagen hat. Das Leben steckt schon voller eigenartiger Dinge. Zugegeben, der Tod hat auch einige Überraschungen auf Lager, aber verglichen mit dem Leben - oder soll ich es Schicksal nennen? - war der Tod ein blutiger Anfänger. Aber das werdet ihr ja alle früher oder später noch feststellen können.

Der Wecker klingelte viel zu früh. Noch immer nicht mit genügend Schlaf versehen, stieg der Kommissar leicht missmutig aus dem Bett. Er brauchte dringend einen Kaffee. Vorher hielt er sich schon aus reiner Freundlichkeit gegenüber der restlichen Menschheit von anderen fern. Dass er ein Morgenmuffel war, hatte ihm seine Frau bei der Scheidung unter die Nase gerieben. So wie sie ihm alles unter die Nase gerieben hatte, was sich in den Jahren ihrer Ehe aufgestaut hatte. Dabei war auch sie alles andere als einfach.

Barfuß schlurfte er in Richtung Kochnische und zupfte dabei seine Unterhose wieder in eine einigermaßen bequeme Position. Noch immer im Halbschlaf löffelte er Kaffeemehl in den Filter und füllte die Maschine mit Wasser. Als er die Maschine einschaltete, gab es einen Knall, es roch verbrannt und er stand im Dunkeln. Fluchend zog er den Stecker und beschloss, auf das Frühstück zu verzichten. Sein Weg führte ihn direkt ins Bad und wenig später dann ins Präsidium, wo er sich zumindest den dringend benötigten Kaffee verschaffen konnte.

Leider schaffte er es nicht ungesehen in sein Büro und musste natürlich ausgerechnet seinem Chef über den Weg laufen.
„Zufall, gut, dass ich sie treffe! Keine Sorge, ich werde ihnen nicht schon wieder mit dem Partner auf den Wecker gehen. Aber so ganz alleine werden sie nicht arbeiten können. Ich hab da einen jungen, vielversprechenden Kollegen aus Stuttgart an der Hand, der gerne mal in unsere Mordkommission reinschnuppern würde. Er kommt heute Nachmittag und wird bis auf weiteres ihr Begleiter sein.“
Er wollte gerade den Mund öffnen, um darum zu bitten, diesen Kelch an ihm vorüber ziehen zu lassen, aber sein Chef war nicht erst seit gestern sein Vorgesetzter und nahm ihm schnell den Wind aus den Segeln.
„Sie sind der beste, den wir haben, Sie werden damit leben müssen, dass ich mit Ihnen angeben will. 14 Uhr wird der Kollege eintreffen. Lassen Sie ihn ruhig mal sehen, wie ein alter Hase das macht!“
Und damit stand er alleine im Flur. Ja, heute war eindeutig sein Glückstag. Das wusste er spätestens, als er den spärlichen Rest Kaffee sah, der so eben den Boden seiner Tasse bedeckte. Mit einem Schulterzucken, setzte er eine neue Kanne auf und blieb daneben stehen, bis das schwarze, duftenden Getränk fertig durch den Filter gelaufen war. Der erste Schluck, heiß wie Lava, aber genau das, was er schon den ganzen Morgen gebraucht hätte, versöhnte ihn ein bisschen mit dem Tag. Immerhin hatte der noch eine kleine Chance besser zu werden.

Beinahe hätte ich ihn verpasst. Ich konnte so gerade noch zu ihm ins Auto springen, bevor er zur Arbeit fuhr. Mein Ermittler ist ein wahrer Ausbund an Fröhlichkeit heute. Irgendeine Laus muss ihm schon beim Frühstück über die Leber gelaufen sein, aber da war ich noch damit beschäftigt, beim Bäcker ums Eck dem Tratsch zu lauschen.

Ich hatte in meinem Leben einige Taxi-Fahrer kennen gelernt, die gesitteter fuhren als Peter Zufall. Drei Beinahe-Unfälle, einiges Hupen und sicherlich deutlich mehr Flüche der anderen Autofahrer sind die Bilanz der wenigen Kilometer zu seiner Dienststelle. Wenn man tot ist, gewöhnt man sich eine geradezu buddhistische Ruhe an. Was soll einem schon passieren? Toter als tot geht nicht. Trotzdem war es gut, den Parkplatz zu erreichen.

Soll er sich seinen Kaffee holen, ich werde mich mal ein bisschen in seinem Büro umsehen. Chaos würde ich das nicht nennen, eher organisiertes Durcheinander, aber zumindest liegt meine Akte ganz oben auf dem Stapel. Nur, wie ich ihn meinen Namen herausfinden lassen soll, weiß ich noch immer nicht wirklich. Vielleicht wäre es einfacher, ihn zu meiner Wohnung zu führen, aber auch dafür hatte ich noch nicht die richtige Vorgehensweise gefunden. Wie gesagt hatte ich das mit dem Besessen-Sein noch nicht ganz raus.

Er inhalierte den belebenden Duft, der sich aus seiner Tasse um seine Nase kräuselte und wäre vielleicht schon fast zu einem Lächeln bereit gewesen, aber dann sah er, dass ihm sein Chef ein kleines Präsent auf den Schreibtisch gelegt hatte. Er setzte sich auf seinen Stuhl und stellte die Tasse auf den Tisch. War eh besser, wenn der Kaffee ein bisschen abkühlen würde. Er schob die Akte des Mordfalles zur Seite und sah sich den Lebenslauf an, den sein Chef ihm hinterlassen hatte. Sein Besucher für den Nachmittag hieß Cornelia Röbel. Irgendwie wollte der Tag seine Chancen nicht nutzen.

Seine Ablehnung schwand allerdings, nachdem er sich ein bisschen intensiver in die Unterlagen eingelesen hatte. Ja, die junge Dame schien wirklich den richtigen Riecher fürs Verbrechen zu haben, auch wenn er es nie zugegeben hätte, war er von der Liste der gelösten Fälle wirklich beeindruckt. Vielleicht würden die nächsten Tage doch besser werden als er befürchtet hatte.

Ich las über seine Schulter mit. Interessante Aussichten. Zwei echte Profis, um meinen Mord aufzuklären. Klingt fast wie ein Sechser im Lotto. Immerhin wird es für die beiden noch einiges zu tun geben. Und da kommt ja auch schon der Forensiker mit meinem Autopsiebericht, jetzt wird es spannend.

Dirk Brünn hatte sich dazu entschlossen, seine Katakomben zu verlassen und seinem Freund den Bericht persönlich auf den Schreibtisch zu legen. Er betrat das Büro ohne anzuklopfen und ließ sich in den Stuhl vor dem Schreibtisch fallen, während er seinem Kollegen die Dokumente zuwarf.
„Hier, hab extra für dich Überstunden gemacht. Ziemlich harter Tobak, Peter. So viele Verletzungen habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Unser Unbekannter hat einen erschreckend schmerzhaften Tod gehabt.“
Peter sah ihn fragend an.
„Die Stichwunden. Die waren zwar das, was ihn am Ende umgebracht hat, aber die restlichen Verletzungen... die stammen alle von den Stunden vor dem Tod. Und der Wald ist definitiv nur der Ablage-Ort. Bei all dem Blut, dass da geflossen ist, muss der Tatort woanders liegen.“
Der Kommissar blätterte durch den Bericht und studierte ausgiebig einige der Fotos, die den Unterlagen beigefügt waren.
„Das sieht wirklich übel aus. Eher nach einer langsamen Hinrichtung, nach Folter. Da draußen ist ein Irrer unterwegs und ich hab nicht den geringsten Anhaltspunkt, wer unser Opfer eigentlich ist.“
Verärgert warf er die Fotos auf den Tisch und sammelte sie gleich wieder ein, um sie zur restlichen Fall-Akte zu legen.
„Danke, Dirk. Du hast nicht zufällig eine Ahnung, wie ich an seine Identität kommen könnte?“
Der Forensiker schüttelte den Kopf.
„Nein, keine Prothesen, keine künstlichen Gelenke oder Knochen. Absolut nichts auffälliges. Tut mir Leid.“
Er beugte sich nach vorne und schob die Unterlagen zur Seite, um sich sehr zielstrebig den Lebenslauf zu greifen.
„So, so, da bekommst du heute also Damenbesuch.“
Er grinste.
„Ja. Und werde mich gleich blamieren, weil ich eine Leiche habe, aber weder einen Namen, noch einen Tatort, von einem.Verdächtigen mal gar nicht zu reden.“
Der Forensiker zuckte mit den Schultern und stand auf. Er verabschiedete sich noch von seinem Freund und stieg wieder hinab in das Reich der Toten.

Peter Zufall legte seine Unterlagen zusammen und entschloss sich spontan, wenigstens für ein bisschen Ordnung zu sorgen, bevor sein Gast kam. Den zweiten Schreibtisch hatte er nach Svens Tod lange unberührt gelassen, doch inzwischen diente er als Lagerplatz für seine Unterlagen. Das musste er auf jeden Fall noch ändern, denn wenn diese Kollegin eine Weile blieb, würde sie einen Arbeitsplatz brauchen und bei dem Fall würde er heute keinen Schritt weiterkommen.

Irgendwie hatte ich nicht den Eindruck, dass mein Mord je aufgeklärt würde, aber hier rumhängen und ihm beim Aufräumen zusehen? Das muss ich mir auch nicht antun. Vielleicht würde es mir helfen, mich an die Fersen meines Mörders zu heften. Dabei hilft mir übrigens ein weiterer Vorteil den der Tod mit sich bringt. Man bekommt eine Art... sagen wir mal Lebens-Radar. Ich muss nur an jemanden denken, und weiß sofort, wo ich ihn zu suchen habe. Ist ganz schön praktisch manchmal. Nur die Reise dorthin kann ein bisschen unangenehm sein.

Ich kann mich innerhalb von Sekunden an die richtige Stelle begeben, allerdings muss ich dazu in direkter Linie durch alles hindurch, was im Weg liegt. Wände, Bäume, Autos, Menschen. Das ist nicht wirklich angenehm, weshalb ich meist den Weg nehme, den ich auch im Leben genommen hätte. In diesem Fall aber, werde ich den direkten Weg nehmen müssen.


Fortsetzung folgt...

Donnerstag, 3. März 2016

[Fragment] In der Stunde vor der Stille

In der Stunde vor der Stille, das Gras noch feucht vom Tau, der zärtlich die Halme benetzt, stieg Nebel langsam aus dem Boden. Seine blassen Schleier sammelten sich in der Senke des Tales und verhüllten schützend das Land. Dunkle Nebelbänke zogen schleichend zwischen die Bäume des nahen Waldes und wurden dichter und dichter, noch bevor die Dämmerung das Licht der Sonne ankündigte. In der Stunde vor der Stille legte sich ein Nebel mit seiner düsteren Kälte auch über sein Herz und er schwieg. 

Im Angesicht der grauen Nebelbänke im weiten Tal zu seinen Füßen nahm ihm die friedvolle Stille jedes Wort, das sich in seinem Kopf staute und die Gedanken starben, bevor er ihnen mit seinen Lippen die Freiheit schenken konnte. Grabesstille über einem Land, das noch schlief. Grabesstille in seinem zerrissen Herzen.

Stumm wanderte sein Blick in die Ferne und über den Nebel, der alles verschluckte, als würde die Welt beginnen, sich an ihren Rändern in das Nichts aufzulösen. Verwischte Konturen, körperlose Schatten, mehr war nicht zu sehen, von dem was vielleicht vor ihm liegen mochte. 
Die ersten Strahlen der Sonne, die über den Horizont reichten, begannen die Dunkelheit in seinem Herzen auszulöschen und wärmten seine sorgenvolle Seele. Sie liebkosten zärtlich sein Gesicht und gaben ihm den nötigen Mut für den ersten Schritt auf seiner Reise in das Unvorhersehbare, das Ungewisse. Der Nebel begann sich zu lichten und gab ihm den Weg frei, vor dem er sich vor wenigen Minuten noch gefürchtet hatte. 

Als er begann, langsam einen Fuß vor den anderen zu setzen, überraschte ihn, wie leicht es ihm fiel und wie selbstverständlich es sich in seinem Herzen anfühlte. Das Land glitt unter seinen Schritten dahin. Die Erdkugel drehte sich unter seinen Füßen hindurch und er fühlte sich leicht. Mit jedem Schritt stieg seine Zuversicht, das Ziel auch zu erreichen, von dem er noch nicht einmal wusste, was es war oder wo er danach zu suchen hatte. 

Er konnte nicht anders, als er durch die grünen Auen wanderte und begann ein Lied zu pfeifen. Die Welt schien ihm freundlich gesinnt zu sein. Er genoss das flirren der Strahlen zwischen dem jungen Grün der Bäume, lauschte auf das Lied des Windes in ihren Kronen. Das Rascheln der Blätter, das Gezwitscher der vielen buntgefiederten Vögel und das Plätschern des kleinen Baches an dessen Ufer er entlang schritt. All das vereinte sich zum Gesang des Waldes, in den er mit seinem eigenen Lied einstimmte. 

Wie hatte sein Herz nur so schwer werden können, wenn er diese wunderbare Welt rings um sich betrachtete! Lag dem nicht ein Zauber inne, den keine noch so dunkle Macht besiegen konnte? Er würde sich bald einen Platz für eine kleine Rast suchen müssen. Schon seit einiger Zeit knurrte sein Magen und murrte über jeden Schritt den er machte. Vielleicht waren es auch einfach seine Gedanken, die bereits seit geraumer Weile um das frische Brot und den Laib Käse in seiner Tasche kreisten. Doch er wollte so weit wie möglich kommen, bevor die Nacht hereinbrach.

Also erlaubte er sich nur eine kurze Rast auf einem dunkelgrauen Felsbrocken, der auf einer kleinen Lichtung lag, als hätte ihn ein Riese auf seiner Wanderung einfach achtlos fallen lassen. Der Stein hatte die Wärme der Sonne eingefangen und hütete sie wie einen kostbaren Schatz. Angenehm warm fühlte sich der Sitz an, den er sich da ausgesucht hatte. Ein Schluck Wasser aus dem klaren Quell, dem er schon seit dem Morgen gefolgt war, ein Stück des deftigen Brotes und eine kleine Scheibe von dem Käse seines Lehrmeisters, dann machte er sich wieder auf den Weg.

Seinen Magen hatte er zufrieden gestellt und fühlte sich für seinen weiteren Weg gestärkt. Die Sonne hatte ihren höchsten Stand längst erreicht gehabt, als er sich zur Pause auf den Stein setzte und der Abend streckte seine Hand schon nach den Tiefen des Waldes aus. Er legte noch ein Stück seines Weges zurück, dann begann er nach einem Unterschlupf für die Nacht Ausschau zu halten. 

Die Dämmerung sickerte langsam zwischen die Blätter der Bäume, als er am Rande einer Lichtung ein Lager für die Nacht fand. Zwischen zwei großen Felsbrocken baute er sich mit Zweigen und Laub ein trockenes Lager und bettete sich zur Nacht. Rechtschaffen müde, wie er nach seiner langen Wanderung war, fiel er sofort in einen tiefen Schlaf. Traumlos und erholsam, bis ihn etwas weckte, von dem er nie ein Zeuge hätte werden sollen.

* * *

Sie trafen sich auf einer kleinen Lichtung, ein kreisrunder Platz inmitten des dichten Waldes, nur mit niedrigem Gras und Moos bewachsen. Sanft fiel das Mondlicht auf das satte Grün des weichen Bodens und die beiden riesigen Felsbrocken, die zwischen den Stämmen am Rande der Wiese lagen. Nur das düstere Dickicht der umstehenden Bäume konnte auch der silberne Mond nicht erhellen.
Als sie zögernd und doch ohne Widerstand die Lichtung unter dem wolkenlosen Sternenhimmel betrat, verstummte das leise Rascheln der Blätter zu einer andächtigen Stille. Aus dem Wald traten andere wie sie. Frauen jeden Alters, doch alle mit dem unwiderstehlichen Drang diesen Platz aufzusuchen. Wortlos bildeten sie einen Kreis.

Nyra schloss die Augen und es war als ob die Stille zu ihr spräche. Ungehörte Worte, die sich in ihrem Kopf aus tonlosen Silben formten. Wie in Trance begann sie die Worte mitzusprechen, die ihr die Stille in den Kopf gepflanzt hatte. Erst still, nur mit den Lippen, dann immer lauter. Und ihre Schwestern taten es ihr gleich...

"Wir sind die Töchter der Nacht, die Kinder des Mondes, nur er gibt uns Kraft."

Wie ein magisches Mantra wiederholten sich die Worte immer wieder und wieder, steigerten sich in einem wilden Chor. Nyra fühlte sich eins mit den anderen, fühlte sich in die Luft gehoben, leicht und zugleich völlig geborgen und sicher. Sie war Teil eines Ganzen. Eine Erkenntnis, die sie zutiefst erschütterte und gleichzeitig unendlich glücklich machte, auch wenn sie nicht absehen konnte, welche Folgen das für ihr Leben haben würde.

Sie spürte das feuchte warme Gras unter ihren Füßen, öffnete die Augen und sah, dass die Bäume am Rande der Lichtung mit Ihren Stämmen und Ästen Säulen und Bögen bildeten, eine Kathedrale aus Holz und Laub. Ihre Schwestern richteten ihre erstaunten Blicke genauso zum Himmel, wie Nyra es tat. Ein sanfter, warmer Strahl reinen Mondlichtes erhellte den Tempel und ließ ihre Gesichter aufleuchten. Nyra fühlte eine neue, unbekannte Kraft in sich und begriff, was es bedeutete, eine Tochter der Nacht zu sein.

* * *

Die engelhaften Stimmen hatten sich in seinen Schlaf gestohlen, ihn sanft geweckt und ihm das Gefühl gegeben, dass dort etwas Besonderes geschah und er keine Angst zu haben brauchte. Vorsichtig öffnete er die Augen und was er sah, raubte ihm den Atem. Der Wald lebte, er veränderte sich. Äste wuchsen zu einer Halle zusammen und bildeten ein schützendes Dach über der Gruppe elfenhafter Wesen, die in Verzückung im fahlen Licht des Mondes sangen und tanzten. Die Töchter der Nacht. Er konnte sich daran erinnern in einem alten Buch davon gelesen zu haben. 

Tief in seinen eigenen Gedanken verwoben und mit den vergilbten Seiten eines staubigen, halb zerfallenen Folianten vor seinen inneren Augen, stolperte er in Richtung der Baumkathedrale. Zu spät bemerkte er, dass eines dieser zauberhaften Wesen in seine Richtung lief. Er war gefangen vom Anblick ihres in Vollzücken leuchtenden Gesichtes, dass er völlig vergaß, dass er zu dieser Veranstaltung nicht eingeladen war. 

Auch sie nahm ihn erst wahr, als sich ein Zusammenstoß mit ihm nicht mehr vermeiden ließ und schon fanden sich beide auf dem Boden liegend wieder. Sie saß halb auf ihm, als sich ihrer beider Augen ineinander festbissen. Er konnte seinen Blick nicht losreißen von dem silbrigen Leuchten in ihren klaren, strahlenden Augen. Doch als er versuchte eine hilflose Entschuldigung zu stammeln, war der Zauber gebrochen und das Leuchten erstarb.

Die Bäume waren wieder nur Bäume, der Mond nicht mehr als ein tägliches Nachtlicht und die Lichtung verlassen und unberührt. Hätte er nicht immer noch ihr Gewicht auf seiner Brust gespürt, wäre er sicher gewesen, nur geträumt zu haben. Doch sie war so real wie er und ihr Herz klopfte nicht weniger wild als seines. Erschrocken sprang sie auf und versuchte im Dickicht des Waldes zu verschwinden, doch er rief ihr nach.

„Bleib. Ich tue dir nichts! Man nennt mich…“

„… Lyreik, den Wanderer.“

Erstaunt sahen sie einander an. Er, weil sie seinen Namen kannte und sie, weil sie nicht sagen konnte, woher dieses Wissen kam. Doch es war da gewesen. Der Name hatte auf ihrer Zunge gelegen und sich ohne ihr Zutun über ihre Lippen die Freiheit erkämpft. Sie konnte nicht sagen, woher sie die Gewissheit nahm, aber sie würde den Wanderer begleiten, wohin auch immer seine Reise gehen mochte.

„Mein Name ist Nyra und ich werde mit dir gehen.“

Stumm saßen sie in der aufsteigenden Morgenröte gemeinsam auf dem Felsen und teilten sich, was von seinem Brot und dem Käse übrig war. Sie hatten kein weiteres Wort gesprochen, nachdem sie so selbstverständlich seine Gefährtin geworden war. Es war ihm nicht wichtig, wer sie war oder warum sie seinen Weg mit ihm gemeinsam gehen wollte. Er würde nicht alleine sein und das gefiel ihm. Als die Sonne zaghaft durch das Blätterdach brach, packte er seine Sachen zusammen und sie machten sich gemeinsam auf den Weg.



[Fortsetzung folgt]

Samstag, 5. Dezember 2015

Der Camembert, die Toffifee und das letzte Stück Käsekuchen



Der Camembert

Ein unbeachteter Camembert lag still auf der Käseplatte und sein cremiges Herz schmolz in der Wärme langsam vor sich hin. Und weil er so unbeachtet blieb, hatte er ein wenig Zeit über sein Leben nachzudenken, das als ein Schluck Milch begonnen hatte. Er dachte nicht französisch, denn seines Zeichens war er ein deutscher Etikettenschwindler. Aber darüber machte er sich keinen Kopf, zumal er den nicht einmal hatte. Was hatte er nicht alles erleben müssen auf seinem Weg zu dieser Krönung seiner Karriere als in Würde gealtertes Milchprodukt auf einer liebevoll angerichteten Käseplatte für eine illustre Gesellschaft. Als warmer Strahl war er von Bauers Hand dem Euter seiner Mutterkuh entrissen und in einem eisig kalten Eimer gesammelt worden. Wie zärtlich hingegen die sanften Hände der Sennerin, die ihn liebkosten und brachen und quetschten. Er dachte auch an seine Zwangsehe mit einer Schimmelpilzin, die sein Leben so ganz und gar durchdrang und an die dunkle Zeit in einem kühlen Felsenkeller. Und an die Stille, die er da genoss, da seine schimmlige Gattin zwar Kultur hatte, aber ganz und gar stumm war. Sie hatte ihn in ihre Liebe gehüllt und er hatte es mit sich machen lassen. Sie hatte sein Herz erweicht und so war er sie nicht mehr losgeworden. Aber zumindest hatte sie sein Leben veredelt, wer weiß, vielleicht wäre sonst ein ordinäres Stück Gouda oder Emmentaler aus ihm geworden. Ganz sicher hätte er es damit nicht in den Kreis dieser auserlesen Gourmets gebracht, auf deren laktophiler Schlachtplatte er angerichtet war. Ohne eingebildet zu sein, war er stolz, sein Dasein als Camembert zu fristen, auch wenn er nur ein deutsches Exemplar war, doch zumindest war er von Adel. Er gab sich gerade ein wenig seinem heimlichen Stolz hin, als ein Käsemesser seine Gedanken abrupt abschnitt und er nun schlicht sein Leben hinzugeben hatte. Übrig blieb am Ende nur ein leeres Plätzchen auf der Käseplatte und ein zufriedener Gaumen.

Das Märchen von der Toffifee

Die kleine Fee mit Namen Toffi lebte schon lange mit ihren Schwestern in einer Pappschachtel im Wohnzimmerschrank. Sie langweilte sich ein bisschen in ihrem goldenen Bett aus Polyethylen. Ihr Leben war voller Schokolade, aber sie hatte ein hartes Haselnussherz und neidete ihren Nachbarn ihr Leben in weichen Papier-Rüschen und schillerndem Silberpapier. Ihr eigenes Reich kam ihr dagegen so schlicht vor. Wie gerne wäre sie eine feine Nougatpraline gewesen oder zumindest ein edles Schokoladenhäppchen in einer eigenen kleinen Papierwohnung, statt hier mit ihren Schwestern in einer Schachtel ohne echte Privatsphäre zu leben. Erst gestern war die Wohnung neben ihr frei geworden, dort hatte eine ihrer geschwätzigen Schwestern gelebt und tagein, tagaus vor sich hin gesungen. In ihr hatte so viel Spaß gesteckt, dass sie ihn zwanghaft mit allen in der Schachtel teilen musste. Die kleine Toffifee war da anders und es brauchte erst zwei Finger, die sie gierig aus ihrer Umgebung zu rissen, ein warmer Mund um ihr Innerstes zum Schmelzen zu bringen und ein paar Zähne um endlich ihr Herz zu knacken. Und erst da begriff sie, wie sehr sie ihre Zeit in der Schachtel hätte genießen sollen.

Das letzte Stück Käsekuchen

Elf seiner Brüder hatte er bereits verloren und blieb so der letzte seiner Art. Zumindest an diesem Tag und auf dieser Kuchenplatte. Alle seine Brüder waren mit einer heißen Tasse Kaffee durchgebrannt und hatten sich gemeinsam mit ihr in die Welt jenseits des Tresens aufgemacht. Sie waren aber auch alle – genau wie er – ganz schön süße Schnitten gewesen. Wie er sich nun gerade so ein wenig selbstgefällig in seiner ganzen, unwiderstehlichen Cremigkeit sonnte, spürte er das kühle Metall einer rücksichtslosen Kuchenschaufel unter seinem kuchigen Unterbau und wurde seiner Heimat entrissen. Leicht verwirrt landete er auf einem Kuchenteller und als er vorsichtig über dessen Rand blickte, sah er sie: dampfend, dunkel und in unschuldiges Weiß gehüllt. Sie war eine Italienerin, klein, aber durchaus selbstbewusst und stark in ihrer winzigen Porzellanunterkunft und geschmückt mit einem schlichten Espressolöffel, der ihr unglaublich eng um die schlanke Taille lag. Erst als das Gemetzel begann, wurde ihm klar, dass er sie nur Stückweise Schlückchen für Schlückchen kennen lernen würde, bevor sie sich eine Weile ein gemeinsames Zuhause teilen würden. Daran hatte er erst ein wenig zu knabbern, aber irgendwann hatte er den Schock verdaut.

Hopfen und Bangen

Ein männlicher Bierflasch mit colonianischem Hintergrund stand gut gekühlt im Regal. Er war einsam, auch wenn er von anderen Flaschen umstanden war, doch die verstanden seinen Dialekt nicht, waren sie doch alle im Grunde genommen tschechischen Ursprungs. Es herrschte ein munteres Kommen und gehen im Regal und auch er wäre gerne einmal gegangen, allerdings kam er sich heute dafür ein bisschen zu früh vor. Doch trotzdem öffnete sich die Türe der Kühlung und eine warme Hand griff nach ihm. Ein wenig später entriss ihm ein herzloser Flaschenöffner seine Krone, dann kippte er und ihm wurde plötzlich ganz Andreas. Danach fühlte er sich leer und wanderte als männlicher Flasch zurück in den Kasten, das Flaschenseniorenheim.

Montag, 30. März 2015

Schnurrende Bedrohung

Ich möchte diesem Blog seinen ersten Cat-Content verpassen. Nicht, weil es gerade in ist und man in seinen Mails ständig irgendwelche Videos mit niedlichen Katzen hat oder mal wieder ein Bild von Grumpy Cat von wohlmeinenden Freunden in WhatsApp geschickt bekommt.

Nein es geht mir um etwas anderes. Ich bin Allergiker. Ein oft bemitleideter Tierhaar-Allergiker, der einem Katzenhalter nur nach dessen umfassender Dekontaminierung gefahrlos begegnen kann. Und heute möchte ich euch Nicht-Allergikern mal erklären, warum wir Allergiker die Welt retten.

Katzen sind schöne Tiere. Aber sie sind gefährlich und sie haben euch alle um den Finger gewickelt. Ihr merkt es nur nicht! Katzen sind keine niedlichen, süßen Schmusetiger. Nein, Katzen sind miese kleine Sadisten und riechen, ob du Allergiker bist. Und dann springen sie auf deinen Schoß, reiben sich an deinen Beinen und lassen sich nicht mehr vertreiben. Sie rotten sich zusammen und versuchen dich umzubringen. Denn wir Allergiker sind eine Gefahr.

Wir sind nicht anfällig für die ach so putzige Eigenwilligkeit oder ihre niedlichen Kulleraugen und schon gar nicht für ihr seidiges Fell und ihre ausgefeilten Verführungskünste. Wir lassen uns nicht einfangen von ihrem schnurrenden Zauber. Während ihr alles um euch herum vergesst, wenn euch eine Katze umschmeichelt, bleiben wir gegen diese Manipulation unempfänglich. Ihr merkt es nicht, aber wenn ihr ein Katzen-Besitzer seid, dann haben sie euer Leben doch schon unter Kontrolle!

Sie bestimmen, welche Möbel in euren Wohnungen stehen, weil sie einfach alles zum Kratzbaum erklären, was ihrem Geschmack nicht entspricht. Sie lassen sich von euch füttern und pflegen, manipulieren euch sogar dazu, ihnen nur das von ihnen bevorzugte Futter vorzusetzen und aus reiner Bosheit und weil sie es können, lenken sie euch ab bei allem was ihr macht. Eure Lieblings-Serie läuft und ihr konzentriert euch auf den Fernseher? Na, wer kommt dann, streicht euch mit dem Schwanz um die Nase und will gestreichelt werden? Sie spielen mit euch und sind Meister der Manipulation.

Und genau da liegt das Problem der Katzen mit uns Allergikern. Wir lassen uns nicht verführen. Fallen nicht auf ihre Tricks herein, weil wir einen genetischen Schutzmechanismus haben. Und darum versuchen sie uns umzubringen. Denn wir stehen ihnen bei der Erlangung der Weltherrschaft im Weg. Wir fallen auf ihren Charme nicht herein und würden uns nicht wie die Katzen-Liebhaber völlig versklaven lassen. Deshalb sind wir eine Bedrohung für die Katzen und sie tun alles um uns zu beseitigen!

Wenn ihr das nächste mal einen verschnupften Allergiker mit verheulten Augen und juckendem Hautausschlag am Rande des Erstickungstodes seht, dann seid euch bewusst, dass ihr gerade einen Helden seht. Allergiker sind eure Rettung, weil wir die einzigen sind, die die Katzen von der Erlangung der Weltherrschaft abhalten können!

Freitag, 13. Februar 2015

Nur ein kleines Hobby...

Gerade bin ich als Schreiberling weniger aktiv, denn eine ganze Menge meiner Zeit fließt seit einiger Zeit in ein neues Projekt, an dem ich mitarbeite. Wer mich kennt, der weiß, dass ich schon immer Interesse an Freizeitparks und Achterbahntechnik hatte. Und über dieses Interesse wurde ich hinterhältigst angefixt und letzten Endes ungefragt assimiliert ;-)

Deutschlands umfangreichstes Freizeitparkforum


sollten ihr euch man anschauen, wenn ihr euch auch für Freizeitparks begeistern könnt, oder einfach Informationen für eueren nächsten Kurztripp sucht.

Donnerstag, 22. Januar 2015

Ich bin ein Bär...


Anleitung für den Umgang mit introvertierten Bären.

  1. Ein Bär braucht Ruhe, um Kraft zu schöpfen

    Deshalb hat jeder Bär seine eigene Höhle. Wir sind Einzelgänger und das was ihr so leichthin als Gesellschaft bezeichnet, bedeutet für uns eine extrem erschöpfende Arbeit. Bären lieben ihre Höhle. Frei nach dem Motto „my cave is my castle“ verlassen wir unseren Unterschlupf nur wenn nötig. Unsere Höhle ist uns heilig. Solltest du tatsächlich einmal dorthin eingeladen werden, dann benimm dich dementsprechend.

  1. Ein Bär ist nicht unnahbar, aber er meidet Menschenmassen

    Wir sind wie gesagt Einzelgänger, was allerdings nicht bedeutet, dass wir einen netten Abend im Kreis guter Freunde nicht zu schätzen wüssten. Wir mögen andere Menschen, allerdings halten wir Menschengruppen gerne in überschaubaren Mengen.

  1. Bären sind Freunde der Stille 

    Ist ein Bär auffällig still, dann muss das nicht bedeuten, dass er mit dem Leben hadert oder sich schlecht fühlt. Bären wirken hin und wieder schon ein bisschen grummelig, aber das täuscht. Wir empfinden einfach nicht den allgemein anerkannten Drang, ständig Lautgeben zu müssen. Wir mögen die Stille. Sag mir also nie, ich wäre zu still. Das ärgert mich, denn ich rede, wenn ich etwas zu sagen habe und bleibe ansonsten lieber schweigsam. Bären entscheiden gerne selbst, wann und wie oft sie reden. Aber wenn ein Bär spricht, solltest du aufmerksam zuhören.

  1. Bären sind still, aber nicht unbedingt schüchtern 

    Ich weiß, dass ich oft schüchtern wirke. Aber ich bin es nur, solange ich mich nicht wirklich wohl fühle. Und am wohlsten fühle ich mich, wenn man mich nicht dazu drängt. Ansonsten ziehe ich es vor, erst einmal eine Weile unsichtbar zu sein. Das kann sich aber in der richtigen Gesellschaft beunruhigend schnell ändern.

  1. Ein Bär kann sehr laut werden, wenn es nötig ist 

    Auch wenn es meinem Wesen widerstrebt, kann ich ziemlich laut werden. Allerdings haben Bären ein dickes Fell und ertragen viel, bis sie ihre Krallen ausfahren und sich wehren. Ist es aber so weit, dann nimm deine Beine in die Hand un lauf so schnell du kannst. Aber unsere Wut legt sich schnell wieder und wir sind nicht nachtragend. Gib uns etwas Zeit und du kannst dich wieder gefahrlos in unsere Nähe begeben.

    Ein Bär kann auch ausgelassen laut werden, wenn er will. Aber es ist und bleibt eine Ausnahme und strengt mich unglaublich an. Wenn ich also auf einer Party einmal so richtig albern gewesen bin, brauche ich meine Zeit um den Akku wieder aufzuladen.

  1. Auch wenn es manchmal den Eindruck macht, sind Bären nicht arrogant 

    Durch unsere Eigenschaft eher stiller Beobachter zu sein, wird uns oft vorgeworfen, arrogant zu sein. Das liegt aber wohl einfach daran, dass wir die Stille genießen, oft unseren eigenen Gedanken nachhängen und dabei den Eindruck erwecken gelangweilt oder abgestoßen zu sein. Das ist nicht so.Wir Bären wirken oft am Leben anderer uninteressiert, weil wir selten Fragen stellen. Aber das ist keine Unaufmerksamkeit, es liegt einfach daran, dass wir uns selbst nicht gerne ausfragen lassen. Aber sei dir sicher: wir Bären sind Meister im zwischen den Zeilen lesen.

  1. Bären leben oft in ihrer eigenen Gedankenwelt

    Wir lauschen permanent einer Art innerem Monolog, in dem wir unsere Gedanken und Gefühle verarbeiten, bewerten und sortieren. Manchmal sitzen wir einfach nur da und lauschen diesem Gedankenfluss. Es kommt vor, dass wir eine Weile brauchen, bis wir eine deiner Ideen oder Anmerkungen verarbeitet haben, aber sind sie einmal in unsere Gedanken eingeflossen, werden sie sofort zu 100% durchdacht und verarbeitet.

  1. Bären sind nicht gut in der Kontaktaufnahme

    Vielleicht liegt es daran, dass wir so still sind und unnahbar wirken, aber wir haben echte Schwierigkeiten, immer dazugehörig zu erscheinen. An manchen Tagen geht es einem nicht gut, man würde sich am liebsten bei jemandem ausheulen, aber es fällt uns schwer, mit unseren Sorgen zu jemandem zu kommen. Manchmal fühlen wir uns ein bisschen verloren, wenn es uns nicht gut geht. Dann sprich uns an, wir werden dir dankbar sein.

  1. Bären haben starke Meinungen 

    Auch wenn wir sehr still und zurückhaltend sind, bedeutet das nicht, dass wir keine eigene Meinung haben. Im Gegenteil, wir haben sogar sehr feste und lange durchdachte Meinungen, es fällt uns nur schwer, diese immer gleich zu äußern. Gib einem Bären ein bisschen Zeit und ermutige ihn, ohne ihn zu drängen und du wirst überrascht sein, wie tiefgründig seine Gedanken zu vielen Themen sind.

  1. Bären hassen es, „abzuhängen“ 

    Wenn eine Veranstaltung oder ein Treffen endet, dann machen wir uns auf den Weg zurück in unsere geliebte Bärenhöhle. Ja, ich weiß, das wäre der ideale Zeitpunkt, Kontakte zu knüpfen, Pläne zu schmieden und „dabei“ zu sein. Aber ich hasse das einfach. Unverbindlicher Smalltalk mit Fremden ist mein persönlicher Alptraum.


Mittwoch, 21. Januar 2015

Die Ballade vom klugen Ritter

Ich hab gestern durch Zufall eines meiner frühen literarischen Werke wiederentdeckt, ein Gedicht, dass ich so mit 11 oder 12 geschrieben haben muss...



Der Ritter

Es war ein mal ein Ritter
Und wenn er ritt, dann ritt er.
Er war nicht dumm
Und sagte d'rum
Er sei ein Königssohn,
Der warte auf seinen Lohn!
Der Lohn war ein Prinzessin fein,
Die seine Braut nun sollte sein.
Doch sie war häßlich!
Er fand sie gräßlich.
Da ritt er schnell vom Hof, 
Denn er war ja nicht doof!



Man beachte die hintersinnigen Wortspielereien und die schlicht perfekte Handlung. Meinen Humor scheine ich damals schon besessen zu haben. ;-)